Aus wirtschaftlichen Gründen war es leichter, die kostbaren Spitzen im eigenen Land herzustellen.
Einerseits war da die teure Einfuhr, andererseits konnte eine zusätzliche Erwerbsquelle geschaffen werden.
Aber auch die damals zahlreichen europäischen Kriege führten, wegen der damit verbundenen Auswanderungswellen, zu einer Verbreitung und Vermischung der verschiedenen Techniken.
In Italien wird der Ursprung der Spitze vermutet, da dort die ersten Musterbücher für Klöppelspitze entstanden.
Flechtspitze aus dem
16. Jahrhundert gilt als die älteste Klöppelspitze.
Aus dieser entwickelte sich die Formenschlagspitze (Reticella-Spitze). Im Barock verortet man die Mailänder Spitze. In Venedig entstand eine der prunkvollsten Spitzen - die Point gros de Venise.
Ab etwa 1665 übernahm Frankreich die Führungsrolle bei der Herstellung von Nadelspitze, die bisher Italien inne hatte.
Natürlich benötigte der Hof Ludwig XIV. reichlich Spitzen.
Durch die vielen Kriege blutete das Land jedoch aus, es gab Ende des 17. Jh trotz strenger Verbote eine Emigrationswelle in die Niederlande, nach England und Deutschland.
Im 17. Jahrundert wurden die Niederlande zu einem Zentrum der Klöppelspitze, bedeutender als Italien und Frankreich.
Man weiss kaum etwas über die Anfänge. In Bildern niederländischer Maler sind italienische Flechspitzen zu sehen.
Die Niederlande als Seefahrer-Nation betrieb natürlich reichlich Handel mit aller Welt. Aber sie war durch ihre weltoffenere Politik auch ein beliebtes Einwanderungsland.
Ab dem 18. Jahrhundert entwickelte sich hier die Klöppelspitze zu höchster Blüte. Heute noch wird es als klassisches Land der Klöppelspitze betrachtet. Berühmt geworden ist die Brüsseler Spitze.
Viele Spitzenarten tragen das belgische Erbe mit sich: Brügger Blumenwerk, Brüsseler Duchesse, Valenciennes, Flandrische Spitzen,...
Wahrscheinlich brachten ausgewanderte Flamen die Spitzentechnik nach Südengland.
Ihre Spitzen, nach alten Mustern aus der ehemaligen Heimat geklöppelt, wurden Vorbild für die Devonshire Spitzen. Die bekanntesten unter ihnen sind die von Honiton, beinahe identisch mit den Brüsseler Spitzen. Sie sind von bestechender Feinheit und Mustervielfalt, die die Motive füllen.
Bedfordshire bringt man mit Guipure Spitzen und Buckinghamshire Spitzen mit Lille Spitzen in Verbindung.
Vadstena - das schwedische Klöppelzentrum - ist besonders für Torchon-Spitzen mit Konturfäden berühmt.
Im osteuropäischen Raum sind vor allem Bänderspitzen und Guipure Spitzen bekannt.
Klöppeln ist seit dem 16. Jahrhundert in Deutschland bekannt.
Erzgebirge, Harz, Frankenwald, Schwäbische Alb, Oberpfalz, Mark Brandenburg, Schleswig-Holstein, Liebenau (bei Hannover), Abenberg (bei Nürnberg) und Nordhalben waren deutsche Klöppelzentren und sind es zum Teil heute noch.
Wie das Klöppeln ins Erzgebirge kam und wann genau (ca. 16.Jh) kann man nicht mehr sagen. Untrennbar mit der Entwicklung und Verbreitung des Klöppelns ist der Name Barbara Uttmann verbunden. Sie beschäftigte in einer Art Verlagswesen bis zu 900 Menschen mit der Klöppelei und handelte mit diesen Spitzen.
Ende des 16. Jh sollen bereits 10.000 Menschen, um 1860 sogar 20.000 mit Klöppeln beschäftigt gewesen sein.
Es gab sogar spezielle Klöppelschulen. Zum Beispiel die 1878 in Schneeberg gegründete "Königliche Spitzenmusterschule".
Viele Sagen, Geschichten, ja Märchen handeln davon wie Menschen verschiedene Künste in bestimmte Gegenden brachten. Problematisch deren Beweisführung - einerseits die Arbeit mit einem über die Jahrhunderte verwitterndem Material (Leinen, Wolle, Baumwolle, Stroh, Rosshaar, Papier..) andererseits der technische Entwicklungsstand der Menschen und deren Kultur:
- ohne erschwingliche Vorlage, wurden die Muster mündlich und durch Üben weiter gegeben
- ohne Stecknadeln - die bis ins 19. Jh. hinein sehr teuer waren, wurden Spitzen Freihand geklöppelt
- ohne Aufzeichnungen kein schriftlicher Nachweis
Gerade bei Volkskunst wird ein Nachweis schwierig: wozu aufschreiben, die Mehrheit der Menschen beherrschten die grundlegenden Techniken.
Handgefärbte Wolle, Garne und Spinnfasern aus Kirchheim Teck. NettisNadelkunst
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